Jetzt auch als Kinderbuch erhältlich:
Der Kreislauf der grünen Wärme
Es war im Jahr 2023, als Robert Habeck, damals noch Vizekanzler und Wirtschafts- und Klimaminister, mit der Novelle des Gebäudeenergiegesetzes ernst machte. Deutschland sollte nicht länger mit fossilen Heizungen in die Zukunft schlurfen. Neue Heizungen mussten ab 2024 zu mindestens 65 Prozent erneuerbar sein. Wärmepumpen waren plötzlich nicht mehr eine von mehreren Möglichkeiten, sie waren die politisch gewollte und geförderte Lösung. Der Markt für Wärmepumpen wurde nicht nur geweckt, er wurde staatlicherseits in die gewünschte Richtung geschubst. Handwerker protestierten, Hausbesitzer rechneten, die Opposition höhnte. Der Minister blieb gelassen: Die Zukunft ist elektrisch und grün. Der Rest werde sich schon einpendeln.
Genau in dieser Phase, im April 2023, verkündete die Viessmann Group aus dem hessischen Allendorf den Verkauf ihres Climate-Solutions-Geschäfts, also des Kerngeschäfts mit Wärmepumpen und moderner Heiztechnik, an den US-Konzern Carrier Global. Der Preis: rund zwölf Milliarden Euro. Ein Betrag, der selbst in der Welt der großen Industrieexits für Aufsehen sorgte. Ein Unternehmen, dessen Produkte durch die neue Gesetzgebung massiv an strategischer Bedeutung gewonnen hatten, wurde zu einem höchst attraktiven Objekt. Habeck ließ sich nicht lumpen. Er kündigte eine Prüfung an, betonte, man werde darauf achten, dass der Standort Deutschland profitiere, und gab am Ende grünes Licht. Die Familie Viessmann durfte einen der spektakulärsten Exits der jüngeren deutschen Wirtschaftsgeschichte verbuchen.
Die Zeit tat das Ihre. Das GEG wurde in Teilen entschärft, die Ampel zerbrach, Wahlen brachten neue Mehrheiten. Robert Habeck verließ die Regierungsbank. Man hätte meinen können, die Geschichte sei damit zu Ende.
Doch im Juli 2026 kam die nächste Kapitelüberschrift: Der ehemalige Vizekanzler wird ab August Senior Advisor bei Urban Partners, einem europäischen Investor mit Fokus auf nachhaltige Stadtentwicklung, urbane Quartiere und klimagerechten Wohnungsbau. Ein feines, zukunftsgewandtes Haus mit dänischen Wurzeln und dem Anspruch, private Mittel für die Transformation von Städten einzusetzen.
Und wer ist dort inzwischen als strategischer Minderheitsgesellschafter mit an Bord? Die Viessmann Generations Group. Dieselbe Familie, die mit den Milliarden aus dem Verkauf ihres durch die Wärmewende-Politik massiv aufgewerteten Kerngeschäfts nun in genau jene nachhaltigen Urban-Projekte investiert und damit auch in die Plattform, auf der der ehemalige Minister künftig beratend tätig wird.
Man kann es natürlich Zufall nennen. Man kann von den unsichtbaren Händen des Marktes sprechen, von persönlichen Netzwerken, von der Logik der Nachhaltigkeit, die eben auch wirtschaftliche Realitäten schafft. Oder man kann darin den perfekten, selbsttragenden Kreislauf erkennen: Politische Weichenstellung erzeugt künstliche Nachfrage nach einer Technologie. Ein etabliertes Unternehmen wird dadurch enorm wertvoll und realisiert einen historischen Exit. Die Erlöse fließen in neue, grün positionierte Vehikel. Und der Architekt der ursprünglichen Weichenstellung findet dort einen angenehmen, gut bezahlten Platz als Senior Advisor.
So webte sich der grüne Filz seinen eigenen, warm gedämmten, nachhaltig gedeckten Teppich. Nicht als dunkle Verschwörung, sondern als das, was er in Wahrheit immer war: ein sehr gemütliches, sich selbst verstärkendes System, in dem politische Entscheidungen und wirtschaftliche Interessen auf wunderbare, fast schon poetische Weise ineinandergreifen. Alle Beteiligten können guten Gewissens sagen, sie hätten nur das Richtige getan – fürs Klima, für die Transformation, für die Zukunft.
Und der Rest? Der Rest zahlt weiter die Rechnung.